Interdisziplinäre Behandlung der Craniomandibulären Dysfunktion

Bei einer CMD (Craniomandibuläre Dysfunktion) handelt es sich um einen Überbegriff für die Fehlregulation des Kiefergelenks unter Einbeziehung diverser Muskeln und Gelenke. Diese kann zu verschiedenen Symptomen führen. In Deutschland sind knapp 10% Prozent der Bevölkerung von der Craniomandibulären Dysfunktion betroffen. Von ihnen leiden ungefähr 3 Prozent der Erkrankten an akuten bzw. chronischen Beschwerden. Um die CMD erfolgreich zu behandeln, ist eine interdisziplinäre Behandlung von enormer Bedeutung und es sollten Spezialisten aufgesucht werden.

Doch welcher Arzt kann wie bei einer CMD helfen?

In den folgenden Abschnitten erhalten Sie Einblicke in die Behandlungsmöglichkeiten von Ärzten diverser Fachrichtungen bei CMD.

Physiotherapeut bzw. Schmerztherapeut

Der Physiotherapeut konzentriert sich auf die Fehlstellung der Gelenke und auf die Myopathie, um die Craniomandibuläre Dysfunktion zu behandeln. Vorab sollte ein Zahnarzt aufgesucht werden. Seine klinische Funktionsanalyse ist die Basis der Behandlung bzw. Indikation durch den Physiotherapeuten. Zunächst wird der Physiotherapeut Wärme- und Kälteanwendungen durchführen. Um die Durchblutung anzuregen und Fehlfunktionen zu beseitigen, bedient er sich spezieller Massagetechniken. Passive und aktive Dehntechniken bewirken eine Verkürzung der Muskeln. Sie sind ebenso wichtig wie Gelenktechniken und Tapes. Die Anwendung von Tapes erfordert eine besondere Ausbildung des Physiotherapeuten, was vom Patienten beachtet werden sollte. Zur Unterstützung der Behandlung sollten spezielle Techniken in einem häusliches Übungsprogramm integriert werden.

Zahnarzt

Da es sich bei CMD um einen Überbegriff für eine Problematik im Bereich des Kiefergelenks handelt, stellt der Zahnarzt meist den ersten Ansprechpartner dar. Zunächst schaut sich der Zahnarzt die aktuelle Situation an. Zahnveränderungen, Attritionen, Abrasionen und andere Veränderungen sind Indizien für eine Craniomandibuläre Dysfunktion. Viele Menschen klagen über Kopf- und Nackenschmerzen. CMD kann die Ursache dieser Symptome sein. Wer ein knackendes Kiefergelenk hat, sollte seinen Zahnarzt darüber in Kenntnis setzen. Dieser fertigt eine Kunststoffschiene nach Abdruck der Zähne des Patienten an. Sie verhindert nächtliches Knirschen. Gelegentlich wird er den Kauvorgang durch verschiedene Einschleifmaßnahmen der Zähne verbessern. Da der Zahnarzt keine orthopädischen Untersuchungen oder eine MRT durchführen kann, wird er sich mit anderen Fachärzten absprechen.

Kieferorthopäde

Kieferorthopäden sorgen dafür, dass sich der innere Druck reduziert. Sie wenden verschiedene Methoden an. Zunächst schauen sie sich den Befund des Zahnarztes an und ordnen ein MRT an. Wenn sich die Korrektur einer Zahnstellung oder des Kiefers als sinnvoll erweist, werden sie dies vornehmen. In den wenigsten Fällen kann eine Fehlstellung von Zähnen oder Knochen eindeutig einer Craniomandibulären Dysfunktion zugeordnet werden. Die Symptome der CMD stellen Leitsymptome vieler Erkrankungen dar. Wenn der Kieferorthopäde andere Erkrankungen des Kiefergelenks ausschließen kann, wird er den Patienten zur Behandlung an andere Fachärzte überweisen.

Orthopäde

Die Halswirbelsäule beinhaltet das Zentrale Nervensystem. Dieses ist für viele Funktionen im Körper verantwortlich. An der Wirbelsäule setzen zahlreiche Muskeln und Muskelfasern an. Wenn die Muskeln überlastet sind oder eine einseitige Haltung den Tag bestimmt, kann es zu diversen Schwierigkeiten und Folgeerkrankungen kommen. Die Halswirbelsäule kann das Auftreten einer CMD begünstigen, indem sie zu Bisslageabweichungen führt. Menschen, die an einer Craniomandibulären Dysfunktion leiden, zeigen häufig Nackenverspannungen. Weiterhin kann es bei ihnen zu Schwindelgefühlen und einem Tinnitus kommen. Die CMD ist bei ihnen nicht die Ursache dieser Problematik. Die Symptome können auf einen Unfall zurückgeführt werden, die die Statik des menschlichen Körpers verändert hat.

Logopäde

Die Craniomandibuläre Dysfunktion führt häufig zum Logopäden. Bei der Erkrankung kommt es häufig zu gewissen Schluckmustern, Lippenschluss und Zungenverhalten. Der Logopäde beginnt die Behandlung, indem er die innere und äußere Muskulatur durch eine myofunktionelle Therapie stärkt. Die Ballance wird verbessert und die Problematik kann durch die Behandlung beseitigt werden. Der Patient erlernt seine verspannte Gesichtsmuskulatur zu entkrampfen. Auf diese Weise erhalten die Zähne die nötige Ruhe. Ein Gebiss, dass unter dauerhafter Anspannung steht oder enorm beansprucht wird, führt zu großen orthopädischen Schwierigkeiten.

HNO

Wenn Sie bereits auf das Ausbleiben der Atmung oder eine Schnarchproblematik in nächtlicher Ruhe aufmerksam gemacht wurden, empfiehlt sich vor dem Zahnarztbesuch die Wahl eines geeigneten HNO-Arztes. In der Nacht verlagert sich der Unterkiefer in Richtung des Rachens. Wer eine Schiene trägt, wird durch diese das Schnarchen verstärken. Bei einer Schlafapnoe kann sich die Sauerstoffzufuhr verringern. Dieser Umstand geschieht aufgrund der Verlegung der Atemwege in der Ruheposition des Körpers. Liegt diese Problematik vor, muss die Schiene vom Kieferorthopäden bzw. Zahnarzt anders konstruiert werden. Eine Beobachtung in einem Schlaflabor kann anzeigen, welche Schiene benötigt wird.

Augenarzt

Wer eine Schielproblematik zeigt, hält den Kopf meist in einer Schieflage. Falsche Brillengläser begünstigen ebenso bestimmte Kopfzwanghaltungen. Diese Haltung kann sich auf die gesamte Körperhaltung auswirken. Eine Tatsache, die besonders für Patienten der Craniomandibulären Dysfunktion von Interesse sein sollte. Wenn der Verdacht auf eine Augenerkrankung oder auf falsche Brillengläser besteht, ist ein Besuch beim Augenarzt unabdingbar. Meistens werden Patienten zunächst von einem Orthopäden oder Zahnarzt untersucht. Diese Fachärzte stellen ggf. fest, dass die Ursache der CMD in den Augen liegen könnte. Sie ordnen einen Besuch beim Augenarzt an.

Psychologe

In der heutigen Zeit sind Menschen einem hohen Stress ausgesetzt. Die berufliche Situation mit der Familie zu vereinen, stellt eine große Herausforderung dar. Es folgen Arbeiten an den Wochenenden, Überstunden und Nebenjobs, um Familie und Freizeit finanzieren zu können. Dieser Stress legt sich auf die Psyche. Die Problematik beginnt bereits im Schulalltag. Kinder werden mit Leistungsdruck, Mobbing, einem Zeitplan und geringer Freizeit konfrontiert. Innerhalb vergangenen Jahre stieg der Anteil psychisch kranker Kinder um 20 Prozent. Die Problematik verlagert sich häufig auf die Zähne. In der Nacht knirschen Kinder mit den Zähnen. Andere zeigen sie bei Tag in vielerlei Hinsicht. Wenn Eltern derartige Zustände bei ihren Kindern bemerken, sollten sie einen Psychologen aufsuchen. Dieser beginnt mit seiner Behandlung, indem er den Umgang mit Stress im Alltag lehrt.

Radiologe

Gelegentlich ist keine Ursache für die Craniomandibuläre Dysfunktion ersichtlich. In einer solchen Situation helfen bildgebene Verfahren. Zunächst wird eine Computertomographie (CT) erfolgen. Wenn der Radiologe der Meinung ist, dass eine Magnetresonanztherapie (MRT) Aufschluss bringen kann, wird er diese anordnen. In einem anschließenden Patientengespräch informiert er über den Befund.

Allgemeinmediziner bzw. Kinderarzt

Allgemeinmediziner bzw. Kinderärzte sind äußerst wichtig, wenn es um die Behandlung der CMD geht. Kinder, die häufig schreien, könnten an dieser Erkrankung leiden. Manche Babys trinken lediglich an einer Brust. Manche zeigen ein asymmetrisches Liegeverhalten in ihrem Bettchen. Wenn Eltern diese Problematik erkennen, können sie den Rat eines Allgemeinmediziners bzw. Kinderarztes einholen. Da viele Erkrankungen zu ähnlichen Symptomen führen, muss der Allgemeinarzt zunächst bestimmte Untersuchungen durchführen. Wie Patienten und Interessierte sehen, ist die Ursache nicht immer im Kiefergelenk zu finden.

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